In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 600.000 Menschen an einer Pneumonie, mehr als 40.000 sterben daran. Gleichzeitig steigt die Zahl der Patientinnen und Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen, die in Notfallzentren behandelt werden müssen.
Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) fordert deshalb, pneumologische Expertise deutlich stärker in die Versorgung von Notfallpatienten einzubinden. Nach Ansicht der Fachgesellschaft können spezialisierte Pneumologinnen und Pneumologen die Dynamik und Schwere pulmonaler Erkrankungen besonders zuverlässig beurteilen und damit die Versorgung verbessern.
Pneumologische Notfälle stärker berücksichtigen
Nach Auffassung der DGP besteht derzeit eine wesentliche Lücke in der Gesundheitspolitik. Zentrale pneumologische Notfallbilder werden bislang nicht als sogenannte Tracerdiagnosen berücksichtigt.
Dazu gehören unter anderem:
- akute Dyspnoe (Atemnot)
- respiratorische Insuffizienz
- ventilatorische Insuffizienz
- COPD-Exazerbationen
- Pneumonien
Nach Ansicht der Fachgesellschaft wären diese Diagnosen wichtig, um die Qualität der Notfallversorgung besser abzubilden und Patientinnen und Patienten gezielt in Kliniken mit geeigneter pneumologischer Expertise zu steuern.
Frühzeitige Differenzierung verbessert die Versorgung
Bereits während der COVID-19-Pandemie wurde ein Wandel hin zu einer differenzierteren und stärker pathophysiologisch orientierten Entscheidungsfindung eingeleitet. Gerade in der Notaufnahme entscheidet die richtige Einschätzung häufig darüber, ob eine invasive oder eine nicht-invasive Atemunterstützung erforderlich ist.
Dyspnoe gehört zu den häufigsten Notfallsymptomen
Atemnot zählt zu den häufigsten Gründen für eine Vorstellung in der Notaufnahme. In vielen Fällen liegt eine pneumologische Ursache zugrunde.
Häufige Ursachen einer akuten Dyspnoe
- COPD-Exazerbationen
- Asthmaanfälle
- Pneumonien
Zusätzlich erhöhen bereits bestehende Lungenerkrankungen die Komplexität der Behandlung erheblich.
Pulmonale Vorerkrankungen
- Bronchialkarzinome
- Bronchiektasen
- Interstitielle Lungenerkrankungen (ILD)
- Pulmonal-vaskuläre Erkrankungen
Studien zeigen hohe Bedeutung der Atemnot in Notaufnahmen
Die DGP verweist auf verschiedene Studien, die die hohe Relevanz pneumologischer Notfälle belegen.
- 17 bis 25 % aller Patientinnen und Patienten großer Notaufnahmen stellen sich wegen Atemnot vor.
- Mehr als die Hälfte aller stationären Aufnahmen erfolgen aufgrund einer Dyspnoe.
- Jährlich führen ambulant erworbene Pneumonien zu rund 300.000 Krankenhausaufnahmen.
- Die Letalität einer Pneumonie liegt bei 12 bis 17 % und damit höher als die eines Herzinfarktes.
Forderungen der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie
Um eine evidenzbasierte und patientenzentrierte Akutversorgung sicherzustellen, fordert die DGP eine frühzeitige und verbindliche Einbindung pneumologischer Fachkompetenz in interdisziplinäre Notfallzentren.
Insbesondere in den Wintermonaten mit steigenden Intensivaufnahmen könnten dadurch Versorgung, Steuerung der Patienten und Behandlungsqualität verbessert werden.
Fazit
Atemnot gehört zu den häufigsten Gründen für eine stationäre Aufnahme. Nach Ansicht der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie sollte pneumologische Expertise deshalb deutlich stärker in die Strukturen der Notfallversorgung integriert werden. Eine frühzeitige spezialisierte Beurteilung könnte helfen, Patientinnen und Patienten schneller der geeigneten Behandlung zuzuführen und die Versorgungsqualität nachhaltig zu verbessern.
Quelle
Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP)