Trotz einer Langzeitsauerstofftherapie (LTOT) leiden viele Menschen mit chronisch-obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) bei körperlicher Belastung weiterhin unter einer belastungsinduzierten Hypoxie. Dadurch nehmen Atemnot und Einschränkungen im Alltag häufig trotz bestehender Therapie weiter zu.
Eine aktuelle Studie untersuchte deshalb, ob eine automatisch gesteuerte Sauerstoffanpassung den Sauerstoffbedarf während alltäglicher Aktivitäten besser ausgleichen kann als ein konstanter Sauerstofffluss.
Belastungsbedingte Hypoxie bleibt häufig bestehen
Bereits bekannt ist, dass eine Verringerung von Hypoxämien während körperlicher Belastung die Belastbarkeit sowie die Dyspnoe von COPD-Patienten unter Langzeitsauerstofftherapie verbessern kann. Bislang war jedoch unklar, ob sich dieser Vorteil auch im normalen Alltag zeigt.
Ein dänisches Forscherteam untersuchte deshalb den Einfluss einer automatisierten Sauerstofftitration auf alltägliche Aktivitäten (Activities of Daily Living, ADL).
Automatische Sauerstoffanpassung in Echtzeit
In einer doppelblinden, randomisierten Crossover-Studie kam ein sogenanntes Closed-Loop-System zum Einsatz. Dieses passt den Sauerstofffluss automatisch an die aktuell gemessene Sauerstoffsättigung (SpO2) an.
Funktionsweise des Systems
- Messung der Sauerstoffsättigung über ein Oximeter am Handgelenk
- kontinuierliche Auswertung der Werte in Echtzeit
- automatische Anpassung des Sauerstoffflusses
- Zielbereich der Sauerstoffsättigung zwischen 90 % und 94 %
- maximaler Sauerstofffluss bis 8 l/min
Studienaufbau
Insgesamt nahmen 31 COPD-Patientinnen und -Patienten mit einem Durchschnittsalter von 72,8 Jahren an der Studie teil.
Alle absolvierten zwei GlittreADL-Tests, bei denen typische Alltagsaktivitäten simuliert wurden.
Simulierte Alltagstätigkeiten
- Aufstehen
- Gehen
- Heben
- Tragen
Sämtliche Teilnehmenden nutzten dabei einen Rollator, auf dem sowohl die Sauerstoffflasche als auch das Closed-Loop-System befestigt waren.
Während im aktiven Studienarm der Sauerstofffluss automatisch angepasst wurde, erhielten die Teilnehmenden in der Kontrollgruppe einen festen, ärztlich vorgegebenen Sauerstofffluss, der lediglich den Ruhebedarf abdeckte.
Automatische Titration verbessert Belastbarkeit
Die Ergebnisse zeigten deutliche Vorteile der adaptiven Sauerstoffsteuerung gegenüber der herkömmlichen Versorgung.
Wesentliche Ergebnisse
- 38 Sekunden kürzere Zeit bis zum Abschluss des GlittreADL-Tests
- spürbare Verringerung der Atemnot um etwa eine Borg-CR10-Einheit
- deutlich längere Aufenthaltsdauer im Zielbereich der Sauerstoffsättigung
- weniger schwere Hypoxämien während körperlicher Belastung
Vergleich der Sauerstoffversorgung
- Fester Sauerstofffluss: nur 19 % der Testdauer im Zielbereich, 33 % schwere Hypoxämien (SpO2 < 85 %)
- Automatische Titration: 49 % der Testdauer im Zielbereich, schwere Hypoxämien auf 17 % reduziert
Der durchschnittliche Sauerstofffluss lag bei der automatischen Steuerung mehr als dreimal höher als im Kontrollarm. Dies verdeutlicht, dass ein statisch eingestellter Sauerstofffluss den wechselnden Bedarf während körperlicher Aktivität häufig nicht ausreichend abdeckt.
Bedeutung für den Alltag
Nach Einschätzung der Forschenden könnten die beobachteten Verbesserungen direkte Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Wenn alltägliche Aktivitäten leichter bewältigt werden können, profitieren Betroffene möglicherweise von mehr Selbstständigkeit und einer besseren sozialen Teilhabe.
Fazit
Die Studie liefert Hinweise darauf, dass eine dynamische und bedarfsgerechte Sauerstoffversorgung während körperlicher Belastung die Atemnot reduzieren und die funktionelle Leistungsfähigkeit von COPD-Patientinnen und -Patienten unter Langzeitsauerstofftherapie verbessern kann. Trotz der begrenzten Teilnehmerzahl sehen die Forschenden in den Ergebnissen einen klinisch relevanten Ansatz für die zukünftige Versorgung.
Originalpublikation
Kofod LM, Hansen EF, Brocki BC et al. Optimised oxygenation improves functional capacity during daily activities in patients with COPD on long-term oxygen therapy: a randomised crossover trial. Thorax 2025; 80: 803–809. DOI: 10.1136/thorax-2024-221883