Neue S3-Leitlinie
Mit jährlich nur etwa 300 Eingriffen bundesweit zählt die Lungentransplantation zu den seltenen medizinischen Verfahren. Unter Federführung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) wurde erstmals eine S3-Leitlinie zur Nachsorge bei erwachsenen Lungentransplantierten veröffentlicht. Das neue Werk bietet eine evidenzbasierte und praxisorientierte Orientierung für alle ärztlich Beteiligten – in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Die neue Leitlinie ist weltweit die erste evidenzbasierte Empfehlung zur strukturierten Nachsorge nach Lungentransplantation und schließt damit eine Versorgungslücke. Unter der Koordination von Prof. Jens Gottlieb (Hannover) und Prof. Nikolaus Kneidinger (Graz) waren 15 Fachgesellschaften beteiligt, auch aus Österreich und der Schweiz. Kernstück ist ein detaillierter Nachsorgeplan aus Erfahrungen der größten Transplantationszentren (u. a. München, Wien, Hannover) mit klaren Kontrollintervallen von wöchentlich nach der Operation bis jährlich ab dem zweiten Jahr. Vorgesehen sind unter anderem regelmäßige Lungenfunktionstests, Bronchoskopien, Schulungen sowie Screenings auf Komplikationen wie Diabetes, Hautkrebs und Rückfall ins Rauchen.
12 Empfehlungen auf wissenschaftlicher Evidenzbasis
Neben Tipps für die Praxis basierend auf Expertenmeinungen enthält die Leitlinie auch zwölf evidenzbasierte Empfehlungen. Sie betreffen zentrale Aspekte der medizinischen Versorgung, etwa die Auswahl und Steuerung der Immunsuppression, die Prophylaxe gegen das Zytomegalievirus (CMV) und Pneumocystis-Pneumonie sowie Strategien zur Vorbeugung von chronischem Transplantatversagen. Auch ausgewählte begleitende Erkrankungen wie Osteoporose werden berücksichtigt. „Das ist in dieser Breite und Tiefe bislang einzigartig für die Lungentransplantation“, sagen die Koordinatoren.
Das Ziel: Verbesserung der Langzeitergebnisse
Es besteht Handlungsbedarf, die Langzeitergebnisse nach Lungentransplantationen zu verbessern, da die 5-Jahres-Überlebensrate mit rund 60 % deutlich niedriger liegt als bei Herz- (75 %), Leber- (65 %) oder Nierentransplantationen (90 %). Gottlieb betont, dass strukturierte Nachsorge und die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit von Pneumologen und Transplantationsmedizinern entscheidend sind.
Quelle: Die S3-Leitlinie DACH „Nachsorge von Erwachsenen nach Lungentransplantation“ ist online verfügbar unter der AWMF-Registernummer 020-033.