Für die Primär Biliäre Cholangitis (PBC) steht seit März 2025 mit Seladelpar (Lyvdelzi®) eine neue Therapieoption in der Zweitlinientherapie zur Verfügung. Sechs Monate nach der Markteinführung zeigen sich im hepatologischen Praxisalltag erste positive Erfahrungen.
Die Primär biliäre Cholangitis (PBC) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung der Leber, die unbehandelt zu einer progredienten Destruktion der kleinen intrahepatischen Gallengänge führt. Durch den gestörten Abfluss der Galle kommt es zur Cholestase mit Anstieg zirkulierender Gallensäuren. Die angesammelten Gallensäuren wirken zelltoxisch und schädigen die Leberzellen zusätzlich. Die entzündliche Aktivität trägt wesentlich zur Entstehung von Leberfibrose und -zirrhose bei. Die Erkrankung verläuft meist schleichend, kann jedoch über Jahre zu erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität führen, insbesondere aufgrund des ausgeprägten Pruritus.
Die Ursodeoxycholsäure (UDCA) ist weiterhin die Erstlinientherapie. Allerdings sprechen bis zu 40 % der Patientinnen und Patienten nur unzureichend auf UDCA an, und rund 5 % entwickeln eine Intoleranz.1, 2 Für diese Gruppe bestand lange ein therapeutisches Defizit. Mit Seladelpar steht nun eine gezielte Zweitlinienoption zur Verfügung – entweder in Kombination mit UDCA bei unzureichendem Ansprechen oder als Monotherapie bei UDCA-Unverträglichkeit.3
Seladelpar ist ein selektiver PPAR-δ-Agonist, ein Kernrezeptor, der in der Leber und anderen Geweben regulierend auf Lipid- und Gallensäuremetabolismus wirkt.3 Er wird in der Leber und in anderen Geweben exprimiert. Die Aktivierung von PPAR-δ senkt die Gallensäuresynthese und reduziert damit die hepatobiliäre Exposition gegenüber toxischen Gallensäuren.3 Dies führt zu einer deutlichen Entlastung der Leber. Die empfohlene Dosierung beträgt 10 mg einmal täglich und ist für den klinischen Alltag gut handhabbar.3
„Seladelpar hat sich bereits in den ersten Monaten als effektive und gut verträgliche Option für unsere Patientinnen und Patienten mit PBC gezeigt“, berichtet Prof. Dr. med. Ali Canbay, Universitätsklinikum Knappschaftskrankenhaus Bochum. Frühe Erfahrungen aus hepatologischen Zentren bestätigen die Ergebnisse der Studienlage. Beobachtet wurden rasche und deutliche Reduzierung der alkalischen Phosphatase (ALP) im Blut, begleitet von einer relevanten Linderung des Pruritus – einem der belastendsten Symptome der PBC. Seladelpar erleichtert die individuelle Therapieentscheidung für Patientinnen und Patienten mit unzureichendem UDCA-Ansprechen.
Die Wirksamkeit wurde in der Phase-III-Studie RESPONSE4 belegt: 61,7 % der Patientinnen und Patienten unter Seladelpar erreichten ein kombiniertes biochemisches Ansprechen, verglichen mit 20 % unter Placebo.4 Eine Normalisierung der ALP trat bei 25 % der Seladelpar-Behandelten auf.4 Auch hinsichtlich der Juckreizreduktion zeigte sich eine signifikante Verbesserung. Das Sicherheitsprofil war günstig und vergleichbar mit Placebo; die berichteten Nebenwirkungen waren überwiegend mild und führten nicht zum Therapieabbruch.4
Quelle:
Pressekonferenz „Lebererkrankungen von Hepatitis BCD bis PBC“ anlässlich Viszeralmedizin 2025, Leipzig, 18.09.2025. Veranstalter Gilead Sciences GmbH
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1 Invernizzi P et al. Dig Liver Dis. 2017; 49(8): 841–46
2 Assis DN. N Engl J Med. 2024; 390: 853–54
3 Fachinformation Lyvdelzi®; Stand: Mai 2025
4 Hirschfield GM et al. N Engl J Med. 2024; 390(9): 783–94