Jährlich erhalten rund 240.000 Krebspatientinnen und -patienten in Deutschland eine Strahlentherapie – nicht selten begleitet von einer akuten Radiodermatitis. Die aktuelle Leitlinie bietet klare Empfehlungen zur Prävention und Behandlung.1 Neue Studien liefern zudem Hinweise auf ergänzende Strategien.
Eine akute Radiodermatitis zählt zu den häufigeren Nebenwirkungen einer Strahlentherapie. In der Regel ist sie nur leicht ausgeprägt und äußert sich durch Rötung, Überwärmung, Juckreiz, Brennen oder Schmerz. Häufig kommt es im Verlauf zu Schuppung, wenn die Regeneration geschädigter Hautzellen nicht ausreicht und die Epidermis aufbricht. Die S3-Leitlinie empfiehlt in solchen Fällen kühlende Maßnahmen wie feuchte, antiseptisch getränkte Kompressen (2x bis 3x täglich, je 20 min) sowie ggf. den Einsatz topischer Steroide.1
In seltenen Fällen kann es zu einer Ulzeration kommen, insbesondere bei vorgeschädigter Haut oder vorbestehenden Wunden. Dann ist eine tiefere Hautschicht betroffen, was eine professionelle Wundversorgung notwendig macht.
Besonders gefährdet sind Patientinnen und Patienten mit anatomisch bedingten Hautfalten (z. B. größere Brüste, Inguinalregion), da dort sowohl die Strahlendosis als auch mechanische und klimatische Belastungen der Haut höher sind. Ein erhöhtes Risiko besteht typischerweise bei der Bestrahlung von Analkarzinomen, Vulvakarzinomen und Tumoren im Kopf-Hals-Bereich.
Effektive Prävention
Zur Prophylaxe gehört v. a. der Verzicht auf UV-Exposition sowie mechanische Irritation. Lockere Kleidung, lauwarme Duschen und das Vermeiden von Kratzen sind essenziell. Die Hautpflege sollte auf reizfreie, pH-neutrale Produkte beschränkt sein. Harnstoffhaltige Cremes werden empfohlen, während von Puder abgeraten wird.
Evidenzbasierte Hautpflegeoptionen
Als potenziell schützende Maßnahmen werden Silbersulfadiazin-Creme 1 % und Calendula-Creme diskutiert. Letztere ist allerdings allergieanfällig. Kortisonhaltige Cremes sind laut Leitlinie derzeit nicht zur Prophylaxe empfohlen, auch wenn eine Metaanalyse auf eine mögliche Wirksamkeit hinweist – bei begrenzter Datenqualität.
Ernährung als möglicher Einflussfaktor
Eine italienische Beobachtungsstudie mit Brustkrebspatientinnen zeigte einen Zusammenhang zwischen kohlenhydratreicher Ernährung und erhöhter Radiodermatitis-Risiko.3 Zwar fehlt der kausale Nachweis, doch eine eiweißreiche, gemüsebetonte Ernährung entspricht auch allgemeinen Ernährungsempfehlungen bei onkologischen Patientinnen und Patienten.
Fazit
Eine milde Radiodermatitis ist häufig, aber gut beherrschbar. Entscheidend sind gezielte Prävention, individuelle Risikoabschätzung und frühzeitige symptomatische Therapie. Neue Daten zu Ernährung und topischen Maßnahmen liefern wertvolle Impulse, bedürfen jedoch weiterer Validierung.
1 Deutsche Krebshilfe: S3-Leitlinie Supportive Therapie bei onkologischen Patientinnen und Patienten, April 2025, AWMF-Register-Nr. 032-054OL.
2 Kusaj O, Day M, Tse SSW et al. Support Care Cancer. 2025; 33(2): 147. DOI: 10.1007/s00520-025-09178-2.
3 Sharma S, Bracone F, Di Castelnuovo A et al. Nutrients. 2024; 17(1): 136. DOI: 10.3390/nu17010136.