Eine mögliche Unterstützung beim Weaning
Die Entwöhnung von einer längeren mechanischen Beatmung bleibt eine große Herausforderung. Die innovative Kürass-Beatmung (BCV – biphasic cuirass ventilation) könnte hier eine vielversprechende Alternative bieten. Als effiziente, nichtinvasive und nebenwirkungsarme Methode eignet sich BCV für Patienten mit dauerhaftem oder intermittierendem Beatmungsbedarf. Sie basiert auf dem Prinzip der „Eisernen Lunge“, bietet jedoch moderne, patientenfreundliche Vorteile.
Bei älteren, vorerkrankten oder durch Operationen belasteten Patienten mit langen Beatmungszeiten sollten potenzielle Weaning-Probleme frühzeitig berücksichtigt werden.1 Entscheidend ist, den richtigen Zeitpunkt für die Entwöhnung zu erkennen und frühzeitig zu beginnen, da eine verlängerte Beatmung und Sedierung den Prozess erschwert.2, 3
Ursachen sind die Dekonditionierung der Atemmuskulatur, das Risiko einer tubusassoziierten Pneumonie (VAP) und die Entwicklung einer Critical Illness Polyneuropathie. Ein Weaning-Versagen kann die Prognose und Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Laut deutschen Daten bleibt bei rund 36 % der Patienten im prolongierten Weaning die Entwöhnung erfolglos (15 % Letalität, 21 % invasive außerklinische Beatmung).4, 5
Hayek RTX – das Prinzip einer modernen „eisernen Lunge“
Die Kürass-Beatmung ist eine innovative Methode zur externen Unterstützung der Atemfunktion bei Patienten, die ohne Hilfsmittel nicht ausreichend ventilieren können. Die biphasische Kürass-Beatmung, basierend auf der patentierten Hayek-RTX-Technologie, könnte eine nebenwirkungsarme und komfortable Alternative zur nicht-invasiven Beatmung (NIV) sowie eine neue Option im Weaning-Prozess darstellen.
Das System nutzt einen „Brustpanzer“ (Kürass), der den Thorax durch Unter- und Überdruck von außen beeinflusst. Überdruck komprimiert den Thorax, Unterdruck dehnt ihn aus, was Ein- und Ausatmung bewirkt und die Lunge ventiliert. Die Technologie ermöglicht höhere Tidalvolumina und ein verbessertes Minutenvolumen, sowohl bei gesunden als auch erkrankten Lungen.
Der Kürass kann kontinuierlich oder intermittierend, etwa während der Schlafphasen, angewendet werden.
Abb. 1: Die externe, zweiphasige Kürass-Atemunterstützung (BCV) mit dem Hayek RTX ist nebenwirkungsarm und bietet im Vergleich zur nicht-invasiven Beatmung einige Compliance-fördernde Vorteile.
Indikationen
Die Hayek-RTX-Technologie ist für Babys, Kinder und Erwachsene geeignet und wird unter anderem bei folgenden Indikationen eingesetzt:
- Asthma bronchiale
- COPD
- Neuromuskuläre Erkrankungen (z. B. SMA, ALS)
- Zystische Fibrose
- Chronische Bronchitis
- Weaning von positiver Druckbeatmung
- Postoperative Beatmung (z. B. nach Fontan-Fallot)
- Akuter Atemstillstand
- Lungenkollaps
- Pneumothorax
- Kopf- und Wirbelsäulenverletzungen
Sekretmanagement
Die Kürass-Technologie bietet verschiedene Beatmungsmodi wie kontrollierte, getriggerte und synchronisierte Beatmung, bei denen Parameter wie Atemfrequenz und Druckgrenzen individuell eingestellt werden können.
Zur Unterstützung des Sekretmanagements ist die hochfrequente Brustwandoszillation (HFCWO) integriert, die in zwei Zyklen arbeitet:
Modus 1: Hochfrequente Oszillationen mobilisieren zähes Sekret aus den unteren Atemwegen durch variierenden Unter- und Überdruck.
Modus 2: Automatische Hustenunterstützung oder Erzeugung eines Hustenstoßes. Die Zyklen können beliebig oft wiederholt werden.
Compliance-fördernde Vorteile
Die externe BCV-Beatmung imitiert die physiologische Atmung und bietet zahlreiche Vorteile:
- Ermöglicht erfolgreiche Extubation
- Automatische Sekretmobilisation ohne Barotrauma- oder Infektionsrisiko
- Kein Interface (z. B. Tubus, Tracheostoma oder Maske) erforderlich
- Keine Sedierung nötig
- Förderung der Darmperistaltik
- Freier Zugang zu Nase und Rachen während der Beatmung
Diese patientenfreundliche Methode eignet sich besonders für Kinder, die herkömmliche Beatmungssysteme oft schlecht tolerieren.
Resümee
Die Hayek-RTX-Beatmung eignet sich für Erwachsene, Babys und besonders für Kinder. Als nebenwirkungsarmes, nicht-invasives Verfahren verbessert sie das Herzzeitvolumen, erleichtert die Sekretmobilisation und fördert die Compliance.
Sie kann eine invasive Beatmung vermeiden und sowohl im Krankenhaus als auch zu Hause eingesetzt werden.
Weitere Informationen unter www.oxycare-gmbh.de
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1 Schönhofer B, Geiseler J, Braune S et al. S2k-Leitlinie – Prolongiertes Weaning – Stand: 29.08.2019; AWMF-Register-Nr. 020-015, www.awmf.org
2 Kluge S, Janssens U, Welte T et al. S3-Leitlinie – Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 – Stand: 31.01.2024; AWMF-Register-Nr. 113-001, www.awmf.org
3 Windisch W, Weber-Carstens S, Kluge S et al. Dtsch Arztebl 2020; 117(31–32): 528–33
4 Storre JH. Dtsch Arztebl 2016; 113(24, Supp): 23. DOI: 10.3238/PersPneumo.2016.06.17.04
5 Windisch W, Dellweg D et al. Dtsch Arztebl Int 2020; 117: 197–204