Ob eine orale Supplementierung mit Fischöl das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Mortalität bei Dialysepatienten senken kann, war bislang nicht geklärt. Da diese Patientengruppe deutlich erniedrigte Spiegel an n-3-Fettsäuren aufweist, könnten die kardioprotektiven Effekte einer entsprechenden Supplementierung hier besonders vorteilhaft sein. Die PISCES-Studie wurde konzipiert, um in dieser Hochrisikopopulation die Wirksamkeit einer Supplementierung mit mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren systematisch zu untersuchen.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die führende Todesursache bei Hämodialysepatienten, mit einer etwa 20-fach erhöhten kardiovaskulären Mortalität gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Trotz des hohen Risikos stehen nur wenige evidenzbasierte Präventionsstrategien zur Verfügung. Mehrfach ungesättigte n-3-Fettsäuren (syn. Omega-3-Fettsäuren; engl. n-3 fatty acids), insbesondere Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) maritimen Ursprungs (Fischöl, Algen), werden in der Allgemeinbevölkerung mit kardiovaskulären Vorteilen in Verbindung gebracht.

Dialysepatienten weisen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich niedrigere n-3-Fettsäurespiegel auf. Ob eine orale Supplementierung mit Fischöl das Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und die Mortalität bei dieser Hochrisikogruppe senken kann, war bisher jedoch unklar. Vor diesem Hintergrund untersuchte die PISCES-Studie (Protection against Incidences of Serious Cardiovascular Events Study) diese Fragestellung gezielt bei Hämodialysepatienten.

Methodik

Die multizentrische, doppelblinde, randomisierte, placebokontrollierte Parallelgruppenstudie PISCES wurde an 26 Zentren in Kanada und Australien durchgeführt. Eingeschlossen wurden klinisch stabile Erwachsene (> 18 Jahre) mit terminaler Niereninsuffizienz unter Erhaltungshämodialyse (3–4x/Woche). Personen mit aktueller Omega-3-Fettsäuresupplementierung oder Allergien gegen Fisch-, Soja- oder Maisprodukte wurden ausgeschlossen.

Die Randomisierung erfolgte im Verhältnis 1:1 zu einer täglichen oralen Supplementierung mit Fischöl (4 g n-3-PUFA; 1,6 g EPA und 0,8 g DHA in vier 1-g-Kapseln) oder zu einem Maisöl-Placebo; beide Präparate waren identisch aromatisiert.

Der primäre Endpunkt war ein kombinierter kardiovaskulärer Endpunkt aus plötzlichem und nicht plötzlichem Herztod, tödlichem und nicht tödlichem Myokardinfarkt, Schlaganfall sowie peripherer Gefäßerkrankung mit Amputation. Sekundäre Endpunkte umfassten eine Erweiterung des primären Endpunkts um nicht kardiale Todesursachen, die einzelnen Endpunktkomponenten sowie das erste kardiovaskuläre Ereignis oder Tod jeglicher Ursache.

Ergebnisse

Zwischen dem 28. November 2013 und dem 22. Juli 2019 wurden 1.228 Hämodialysepatienten eingeschlossen und randomisiert (Fischöl n = 610; Placebo n = 618) und über median 3,5 Jahre nachbeobachtet.

Schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse traten in der Fischölgruppe rund 43 % seltener auf als in der Vergleichsgruppe (0,31 vs. 0,61 pro 1.000 Patiententage; Hazard Ratio [HR] 0,57; 95 %-Konfidenzintervall [KI] 0,47–0,70; p < 0,001). Entsprechend trat mindestens ein kardiovaskuläres Ereignis bei 20,8 % der Patienten unter Fischölsupplementierung versus 33,7 % in der Placebogruppe auf; auch wiederkehrende Ereignisse waren seltener.

Die Gesamtmortalität (kardiovaskuläre Ereignisse plus nicht kardiale Todesursachen) war unter Fischölsupplementierung im Vergleich zu Placebo ebenfalls signifikant um 23 % reduziert (HR 0,77; 95 %-KI 0,65–0,90) und war unabhängig von einer kardiovaskulären Vorerkrankung.

Weitere signifikante Ergebnisse:

  • Kardiale Todesfälle traten 45 % seltener auf.
  • Myokardinfarkte (tödlich und nicht tödlich) waren 44 % seltener.
  • Schlaganfälle wurden um etwa 63 % reduziert.
  • Periphere Gefäßerkrankungen, die zu einer Amputation führten, traten um 43 % seltener auf.
  • Das Risiko, erstmals ein kardiovaskuläres Ereignis oder Tod zu erleiden, war insgesamt um etwa 27 % reduziert.

Die Einhaltung des Studienregimes und die Häufigkeit unerwünschter Ereignisse unterschieden sich zwischen den Gruppen nicht signifikant. Die im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung deutlich erniedrigten n-3-Fettsäurespiegel der Dialysepatienten konnten durch die Supplementierung in der Studie effektiv erhöht werden.

Diskussion

Die beobachteten Effekte seien biologisch plausibel, da EPA und DHA antithrombotische, antiinflammatorische, lipidsenkende und antiarrhythmische Eigenschaften besitzen, kommentierten die Studienautorinnen und -autoren. Diese Ergebnisse dieser RCT bestätigen neben früheren klinischen Studien und Beobachtungsdaten insbesondere die Ergebnisse der randomisierten FISH-Studie, die einen Nutzen von n-3-Fettsäuren für das kardiovaskuläre ereignisfreie Überleben zeigte.

Da ein erheblicher Teil der Probandinnen und Probanden keine leitliniengerechte kardiovaskuläre Basistherapie erhielt, unterstreichen die Ergebnisse das klinisch relevante Potenzial von n-3-Fettsäuren als einfache, gut verträgliche Zusatzstrategie zur Senkung des hohen kardiovaskulären Risikos bei Hämodialysepatienten.

Fazit

Bei Patientinnen und Patienten unter Erhaltungshämodialyse führte eine tägliche Supplementierung mit mehrfach ungesättigten Omega-3-Fettsäuren aus Fischöl zu einer signifikanten Reduktion schwerwiegender kardiovaskulärer Ereignisse im Vergleich zu Placebo. Die in der Studie eingesetzte Dosis von täglich 1,6 g Eicosapentaensäure (EPA) und 0,8 g Docosahexaensäure (DHA) erwies sich dabei als wirksam und gut verträglich.

Die Ergebnisse sprechen für einen klinisch relevanten kardiovaskulären Nutzen einer regelmäßigen Fischölsupplementierung in dieser Hochrisikopopulation.

Originalpublikation

Lok CE, Farkouh M, Hemmelgarn BR, Moist LM et al. Fish-Oil Supplementation and Cardiovascular Events in Patients Receiving Hemodialysis. N Engl J Med 2026; 394(2): 128–137. DOI: 10.1056/NEJMoa2513032

  • Polyunsaturated Fatty Acids.
  • Foley RN, Parfrey PS et al. Am J Kidney Dis 1998; 32 Suppl 3: S112–S119.
  • Lok CE, Moist L et al. JAMA 2012; 307: 1809–16

Abb. 1: Kardioprotektive Effekte einer Fischölsubstitution im Vergleich zu Placebo bei Patienten unter Erhaltungshämodialyse (modif. nach Lok et al. 2026)