Neue Indikationen bei Blähungen und Schmerzen
Über den vielseitigen Einsatz von Mineralerden bei gastroenterologischen Beschwerden diskutierten Fachleute aus Medizin und Naturwissenschaft während des 6. Nationalen Advisory Symposiums der Heilerde-Gesellschaft Luvos. Die Wirksamkeit von Luvos-Heilerde beim Sodbrennen ist etabliert. Die Heilerde ist auch bei Reizdarmbeschwerden durch Herbizide in der Nahrung einsetzbar und bewährt sich bei durchfalldominierten Reizdarmbeschwerden wie auch begleitend bei der Therapie adipöser Patientinnen und Patienten. Die neue Kombination aus Mineralerde und Simeticon ist bei Blähungen indiziert.
Im Fokus der Veranstaltung unter dem Vorsitz von Prof. Joachim Labenz, Gastroenterologe aus Burbach, und Prof. Ahmed Madisch, Gastroenterologe aus Hannover, standen die Begründung der Wirksamkeit von Mineralerden bei gastroenterologischen Beschwerden sowie Fragen der praktischen Anwendbarkeit von Luvos-Heilerde bei gastroenterologischen Krankheitsbildern. Die rund 30 Mediziner und Naturwissenschaftler aus den Bereichen Gastroenterologie und Naturheilverfahren bestätigten und begründeten die Wirksamkeit von Luvos-Heilerde bei Sodbrennen, säurebedingten Magenbeschwerden, diarrhöebetontem Reizdarmsyndrom und Histamin-Intoleranz.
Refluxsymptom Sodbrennen
Bei Refluxbeschwerden wie Sodbrennen wird Luvos-Heilerde aufgrund ihrer schnellen und anhaltenden säureneutralisierenden Wirkung als Antazidum genutzt. Sie neutralisiert in Sekundenschnelle überschüssige Magensäure. Diese Wirkung als Antazidum beim Refluxsymptom Sodbrennen wurde auch in der aktuellen S2k-Leitlinie berücksichtigt.1
Neue Experimente zeigen, dass die Heilerde auch die Ösophaguswand abdeckt und ihre Barrierefunktion stärkt, so Dr. med. Alexandra Kaestner, Uniklinikum Würzburg. Ziel ihrer Studien war es, das Wirkprinzip der bekannten protektiven Wirkung von Luvos-Heilerde bei Reflux-Beschwerden zu entschlüsseln. Erste Hinweise auf den Mechanismus fanden sich, als endoskopische Bilder des Ösophagus nach Heilerdeanwendung einen Schutzbelag auf der Mukosa des Ösophagus zeigten. Das Würzburger Forscherteam untersuchte auch, wie sich durch die Auflagerung der Heilerde die Barrierefunktion der Epithelzellen im Ösophagus verbessert. Diese spezielle Eigenschaft der Heilerde entfaltet damit bereits in der Speiseröhre eine Multi-Target-Wirkung, die sich im gesamten Gastrointestinaltrakt positiv auswirken kann.
Gastrale Elektrostimulation: Die EnterraTM-Therapie
Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit refraktärer Gastroparese ist besonders herausfordernd.3 Anstelle einer bei hohem Leidensdruck durchzuführenden radikalen Gastrektomie kann alternativ durch die gastrische elektrische Hochfrequenzstimulations-Therapie (Gastric Electric Stimulation, GES) eine symptomatische Besserung erzielt werden. Diese elektrische Magenstimulation (Enterra™-Therapie) mit hochfrequenten, niederenergetischen Reizen wirkt nicht primär über eine direkte Muskelstimulation und beschleunigt die Magenentleerung nicht.4, 5 Die positiven Effekte und die Symptomlinderung entstehen vermutlich durch die Modulation von intestinalen Cajal-Zellen und efferenten und afferenten Nervenbahnen sowie durch Freisetzung von Peptiden.4–6
Das Enterra™-Therapiesystem besteht aus einem batteriebetriebenen Neurostimulator, zwei intramuskulär in die Magenwand implantierten Elektroden sowie einem externen Programmiergerät. Der Neurostimulator wird im Bereich des unteren Abdomens in einer subkutanen Tasche platziert und gibt kontinuierlich schwache elektrische Impulse ab. Zwei Elektroden werden minimal-invasiv in die Magenwand des Corpus eingesetzt (Abb. 1).
Der Eingriff erfolgt minimal-invasiv, dauert etwa 90 Minuten und ermöglicht in der Regel eine rasche postoperative Entlassung. Nach der Operation kann der Arzt oder die Ärztin die Enterra™ Therapie mit einem handlichen, externen Programmiergerät (Abb. 2) individuell an den Behandelten adaptieren und optimieren.
Vorteile gegenüber resektiven Verfahren sind die geringere Invasivität und die Reversibilität, da die Therapie jederzeit nach Bedürfnis ohne weiteren Eingriff aus- oder eingeschaltet werden kann. Bei ausbleibendem Therapieerfolg ist eine Explantation problemlos möglich. Die Batterielaufzeit beträgt durchschnittlich sieben Jahre, danach ist ein Aggregatwechsel erforderlich.
Explorative Beobachtungsstudie
Es gibt weltweit eine Reihe von publizierten Studien.7 In Deutschland wird die GES in ausgewählten spezialisierten Zentren angeboten und bisher gab es hier keine publizierten Daten. Eine aktuelle Studie analysierte nun retrospektiv erhobene Daten von Gastroparese-Patientinnen und -Patienten, bei denen zwischen 2011 und 2020 ein Enterra-Device implantiert wurde.8 Das klinische Ansprechen wurde vor und nach Implantation mittels eines validierten Gastroparesis Cardinal Symptom Index (GCSI) gemessen (maximale Punktzahl: 5, minimale Punktzahl: 0). Weitere Endpunkte der Studie waren: subjektiver Beschwerdeverlauf (keine Besserung, teilweise oder starke Besserung) und Änderung der Gastroparese-Medikation.
Bei 42 Patienten (16 Männer und 26 Frauen, durchschnittliches Alter 45 Jahre) wurde ein Enterra-Device implantiert. Die Genese der Erkrankung war diabetisch (n = 23), idiopathisch (n = 10) oder postoperativ (n = 9). Elf Patienten (26 %) hatten sich im Vorfeld bereits einer oder mehreren invasiven Behandlungen unterzogen, sieben davon G-POEM*.8 Der durchschnittliche präoperative GCSI-Score betrug in der Gesamtgruppe 3,2±1,0. Bei 12 Patienten (29 %) lag der präoperative BMI-Wert unter 20 kg/m², bei fünf Patienten über 30 kg/m².8
Ergebnisse
Die Nachsorgezeit betrug im Median 12 Monate. In der Gesamtgruppe der nachbeobachteten Patientinnen und Patienten fand sich gegenüber den präoperativ erhobenen GCSI-Scores eine signifikante Besserung der Scores nach 3, 6, 9 und 12 Monaten postoperativ, unabhängig von der Indikation.8 In der multivariaten Analyse war die Erkrankungsdauer von >30 Monaten mit einem signifikant schlechteren GCSI-Score nach 12 Monaten assoziiert (p < 0,001).8 Postoperative Komplikationen traten nicht auf.
Am Ende der Nachsorge berichteten 81 % der Patientinnen und Patienten über eine teilweise oder starke Besserung der Symptome.8 Auch in der Subskala „Bloating“ sank der Score vom dritten auf den 12. Monat statistisch signifikant.8 Etwa 40 % der Patientinnen und Patienten konnten im Laufe des ersten postoperativen Jahres die Gastroparese-Medikation absetzen oder deutlich reduzieren.8
Fazit
Die retrospektive Studie belegt ein gutes und anhaltendes Ansprechen auf die elektrische Neurostimulation des Magens (GES) bei gut 80 % der behandelten Patientinnen und Patienten mit therapierefraktärer Gastroparese unterschiedlicher Genese. Somit sei die Enterra™-Therapie eine effektive und sichere Option bei therapierefraktärer Gastroparese – unabhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung, schlussfolgerten die Studienautoren. (mk)
In Kooperation mit der Enterra Medical Inc.
Bilder: Enterra Medical
Abb.1: Das Enterra™ II System besteht aus einem Neurostimulator, der üblicherweise im Unterbauchbereich unter der Haut implantiert wird. Zwei Elektroden werden in die Muskelschicht des Antrum pyloricum implantiert und an den Neurostimulator angeschlossen.
Abb. 2: Enterra™ II Neurostimulator mit dem N’Vision Programmiergerät.
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* Gastroenterische perorale endoskopische Myotomie
1 Lacy BE, Tack J, Gyawali CP. Review Clin Gastroenterol Hepatol. 2022; 20(3): 491–500. DOI: 10.1016/j.cgh.2021.10.038
2 Schol J, Wauters L, Dickman R. et al. United European Gastroenterol J. 2021; 9: 287–306
3 Zoll B, Jehangir A, Malik Z. et al. Gastric Electric Stimulation for Refractory Gastroparesis. J Clin Outcomes Manag 2019; 26: 27-38
4 Lacy BE, Tack J, Gyawali CP. Review Clin Gastroenterol Hepatol 2022; 20(3): 491–500. DOI: 10.1016/j.cgh.2021.10.038
5 Ducrotte P, Coffin B, Bonaz B et al. Gastroenterology 2020; 158(3): 506–14. DOI: 10.1053/j.gastro.2019.10.018
6 McCallum RW, Snape W, Brody F et al. Clin Gastroenterol Hepatol 2010; 8(11): 947-e116. DOI: 10.1016/j.cgh.2010.05.020
7 www.medtronic.com/de-de/fachkreise/produkte/gastroenterologie-proktologie/enterra-magenschrittmacher1/Enterra_II.html
8 Iesalnieks I, von Rebay N, Patejdl R et al. Z Gastroenterol 2025; 63(01): 39-48. DOI: 10.1055/a-2451-0116

