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Alginate gewinnen stetig an Bedeutung bei der Behandlung von Refluxsymptomen. Die Deutsche Gesellschaft für Gas­tro­enterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) berücksichtigt dies nun in ihrer aktualisierten „S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) und eosinophile Ösophagitis“3 bei verschiedenen Indikationen.

Die neue Leitlinie wurde im September 2022 veröffentlicht1 und tritt nach der Kommentierungsphase im Dezember an die Stelle ihrer Vorgängerin aus dem Jahr 2014.2 Das Update enthält zahlreiche neue und aktualisierte Empfehlungen, die insbesondere den Einsatz von Alginaten in verschiedenen Indikationsbereichen betreffen (s. S. 19).

NERD-Behandlung: Alginate werden in die Empfehlung aufgenommen

Bei der Behandlung von Patienten mit nicht-erosiver Refluxkrankheit (NERD) wurden bislang für die Therapie mit niederpotenten Medikamenten lediglich Antazida und H2-Rezeptoratagonisten (H2-RA) empfohlen.2 Nun wurden Alginate in die Empfehlung bei NERD aufge­nommen, ebenso wie für die Behandlung typischer Reflux­beschwer­den „ohne Alarmsymptome“: Hier sieht die Leitlinie nun auch Alginate für die probatorische Symptomkontrolle vor.1 In diesem Zusammen­hang weisen die Leitlinienautoren im Übrigen auf eine Metaanalyse (randomisiert und kontrolliert) hin, die aufzeigt, dass die häufig in der Selbstmedikation eingesetzten Antazida den Alginaten unterlegen sind.3 Erstmalig wird nun in der Leitlinie die sogenannte Acid Pocket beschrieben und erklärt. Die Acid Pocket ist ein Reservoir für Säure­reflux, das sich im Magen unterhalb des Übergangs zum Ösophagus bildet. Mittels Alginat könne man diese Acid Pocket eliminieren – mit Antazida gelinge dies jedoch nicht, heißt es weiter in der Leitlinie.

Alternative Empfehlung für GERD-Therapie

Eine weitere Neuerung betrifft die Empfehlung für GERD-Patienten, die auf die Standard-PPI-Behandlung nur unzureichend ansprechen. Als Alternative zum Wechsel auf einen anderen PPI oder der Verdopplung der PPI-Dosis schlägt die Leitlinie nun eine Kombinationstherapie mit einem anderen Wirkprinzip vor. Die Kombination des PPI mit Algi­nat – entweder kontinuierlich 4-mal am Tag oder als Add-on bei Bedarf – wird hier explizit als Beispiel genannt. In einem neu ausgearbeiteten Algorithmus ist die genaue Dosisanpassung sehr gut dargestellt.1

Alginat verringert GERD-induzierte Schlafstörungen

Insbesondere wenn der Reflux im Rahmen einer GERD nachts auftritt, sind Alginate laut Leitlinie ein probates Mittel – sie können alternativ zu einem PPI unmittelbar vor dem Schlafengehen eingenommen werden. Eine placebokontrollierte Studie zeigte indes auf, dass durch Alginate die Anzahl der symptomfreien Nächte erhöht werden kann.4 Dies ist in dem Wirkmechanismus der Alginate begründet: Sie eliminieren die Acid Pocket, die sich z. B. nach einem spätabendlichen Essen bilden und im Liegen für starke Refluxsymptome sorgen kann. Einem Antazidum gelingt dies nicht.5

Alginate auch während der Schwangerschaft empfohlen

Refluxbeschwerden treten in einer Schwangerschaft besonders häufig auf, vor allem im letzten Drittel leidet etwa jede zweite Schwangere an einem Säurereflux. Hier haben sich Alginate als sichere Option bewährt, was nun auch die Leitlinie berücksichtigt: Im empfohlenen Step-Up-Management sind Alginate, neben Antazida und Sucralfat, demnach die erste Wahl, wenn Allgemeinmaßnahmen nicht greifen.1

Alginate unterstützen das Absetzen einer PPI-Therapie

Die Leitlinienautoren sind sich einig, dass die PPI-Therapie beendet werden soll, sobald die Behandlung nicht mehr notwendig ist. Dies könne ausschleichend erfolgen unter Hinzunahme einer Bedarfsmedikation im Falle von Durchbruchssymptomen. Ein sogenannter Step-down auf einen H2-RA mit der Absicht, einen Säurerebound zu umgehen, könne jedoch nicht empfohlen werden, da diese Substanzgruppe mit einer erheblichen Säurehypersekretion nach dem Absetzen assoziiert ist. In einer prospektiven, offenen Studie, die 6.249 Patienten mit Dyspepsie und PPI-Dauertherapie einschloss, konnten nach Schulung und Einnahme eines Alginats bei Durchbruchsymptomen 75,1 % der Patienten innerhalb eines Jahres die Dosis reduzieren bzw. die PPI-Therapie beenden (40,3 %). Zwar ist unklar, wie hoch der Anteil der Refluxpatienten in dieser Studie war – die Ergebnisse zeigen jedoch, dass der Einsatz von Alginaten in diesem Gebiet vielversprechend ist.

Alginat in Gaviscon bildet bewährte Schutzbarriere

Im sauren Magenmilieu bildet Alginat ein stabiles Alginsäure-Gel, welches sich als eine mechanische Schutzbarriere auf die Oberfläche der Acid Pocket legt. Für den nötigen Auftrieb sorgt der Einschluss von CO2 aus dem im Präparat enthaltenen Hydrogencarbonat. Diese Alginat-Schutzbarriere bildet sich im Stehen und im Liegen und verhindert so das Auftreten von Refluxbeschwerden. Erhältlich sind Algi­nate im Produkt-Portfolio von Gaviscon: Mit Gaviscon Dual, Gaviscon Advance und Gaviscon Liquid bietet Reckitt zwei Dosierungsstärken bei säurebedingten und gastroösophagealen Reflux-Symptomen sowie ein Format speziell für Schwangerschaft und Stillzeit.

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1 Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten e.V. (DGVS; Hrsg.). S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit, AWMF Register Nr. 021-013
DGVS (Hrsg.). S2k-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit, AWMF Register Nr. 021-013, Stand 2014
Leiman DA, Riff BP, Morgan S et al. Alginate therapy is effective treatment for GERD symptoms: a systematic review and meta-analysis. Diseases of the Esophagus 2017; 30: 1–9
4 Reimer C, Lødrup AB, Smith G et al. Randomised clinical trial: alginate (Gaviscon Advance) vs. placebo as add-on therapy in reflux patients with inadequate response to a once daily proton pump inhibitor. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2016; 43: 899–909
Deraman MA, Abdul Hafidz MI, Lawenko RM et al. Randomised clinical trial: the effectiveness of Gaviscon Advance vs non-alginate antacid in suppression of acid pocket and post-prandial reflux in obese individuals after late-night supper. Alimentary Pharmacology & Therapeutics 2020; 51: 1014–21
6 Kwiatek MA, Roman S et al. Aliment Pharmacol Ther 2011; 34(1): 59–66. DOI: 10.1111/j.1365-2036.2011.04678.x
Sweis R, Kaufmann E et al. Aliment Pharmacol Ther 2013; 37(11): 1093–02