Cholesterinsenker vom Typ Statine und die Rolle von Coenzym Q10 zur Vermeidung von Nebenwirkungen

Statine zur Senkung des Cholesterinspiegels werden seit Jahren propagiert und entsprechend viele Menschen in Deutschland nehmen diese Medikamente ein. In der Kardiologie sind Statine fester Bestandteil in jeder Therapieleitlinie. Statine wirken über die Blockierung der Cholesterinbildung im menschlichen Organismus. Das gelingt biochemisch über eine Blockierung der Mevalonsäure, denn diese gesättigte Hydroxyfettsäure katalysiert den entscheidenden Schritt zur Cholesterinbildung. Neben diesem erwünschten Effekt führt die Hemmung der Mevalonsäure auch zu einer Hemmung der Synthese von Coenzym Q10. Dabei ist das Coenzym Q10 (CoQ10) für den Stoffwechsel unentbehrlich.

Messungen des Q10-Serumspiegels bestätigten die These, dass Statine den Q10-Spiegel in kritische Bereiche senken.1 Da dies für die meisten Patienten fatal ist, soll hier näher auf das Vitaminoid CoQ10 eingegangen werden. CoQ10 ist wesentlichster Faktor in der Atmungskette zur Bildung von Energie in Form von Adenosintriphosphat (ATP). Das Ganze geschieht in den Mitochondrien, von denen jede Körperzelle 3.000 bis 11.000 besitzt. Als Vitaminoid wird CoQ10 bis zum Vierzigsten Lebensjahr beim gesunden Menschen ausreichend hergestellt. Danach kommt es zu einem deutlichen Abfall der CoQ10-Produktion, was mit einem Energieverlust verbunden ist. Gerade Menschen mit koronarer Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und anderen koronaren Erkrankungen reagieren mit einer Verschlimmerung der Beschwerden durch den Energieverlust.

Der dänische Kardiologe Prof. S. A. Mortensen konnte das mit seiner Q-Symbio-Studie eindrucksvoll nachweisen.2 In seiner randomisierten Doppelblindstudie führte die Gabe von 3 mal 100 mg oxidiertem CoQ10 (hier Bio-Quinon Gold von Pharma Nord) zu einer erheblichen Leistungssteigerung und zu einer Abnahme der Mortalität um 50 %.

In 2019 bestätigte ein Follow-up der Q-Symbio-Studie das Ergebnis.3 In der CoQ10-Gruppe war im Vergleich zur Placebo-Gruppe die kardiovaskuläre Mortalität (9 % vs. 16 %, p = 0,026), die Gesamtmortalität (10 % vs. 18 %, p = 0,018) und die Häufigkeit von Krankenhausaufenthalten aufgrund von Herzinsuffizienz (p = 0,033) signifikant niedriger.3 Die Ergebnisse sind beeindruckend vor dem Hintergrund, dass Herzinsuffizienz nicht heilbar ist.

Die Galenik ist für die Bioverfügbarkeit wichtig

Da – wie beschrieben – Statine den CoQ10-Spiegel senken, werden herzkranke Menschen – von denen nahezu alle deutlich älter als 40 Jahre alt sind – noch kränker, denn der Energiemangel verstärkt die kardialen Symptome und kann zusätzlich eine Herzinsuffizienz auslösen. Aus diesem Grund ist es wichtig, allen Menschen die Statine nehmen, auch die Einnahme von CoQ10 in einer Dosierung von 100 mg bis 200 mg am Tag zu empfehlen.

Laut der Studie des Teams um Prof. P. Navas hat sich gezeigt, dass oxidiertes CoQ10 als Kapsel über den Darm aufgenommen, am besten resorbiert wird (z. B. Bio Q10 Gold von Pharma Nord).4 Natürlich sind auch reduzierte Produkte wirksam, müssen aber höher dosiert werden. Um die Wirkung von CoQ10 bei der Statineinnahme zu optimieren, sollte auch eine Supplementation mit Magnesium und einem Vitamin-B-Komplex erwogen werden.

Seit 1972 ist aufgrund der Arbeiten der Biochemiker Karl Folkers – der als Erster die chemische Formel des Ubichinons beschrieb – und Gian Paolo Littarru bekannt, dass speziell das Herz und die Leber auf eine ausreichende Versorgung mit Ubichinon angewiesen sind, um den Energiebedarf zu decken. Der britische Biochemiker Peter Mitchell (1920–1992) erhielt 1978 für seine Arbeiten zum Thema Ubichinon und seine Wirkungen im menschlichen Körper einen Nobelpreis für Biochemie.

Abb. 1: Statine blockieren die Aktivität der HMG-CoA-Reduktase und dadurch die Umwandlung von Acetoacetyl-CoA in Mevalonat.

Ubichinon und Ubichinol

CoQ10 sind chemische Verbindungen aus Sauerstoff-, Wasserstoff- und Kohlenstoffatomen, die eine sog. ringförmige Chinonstruktur bilden. Da sie in allen Zellen vertreten sind (Mensch, Tier, Pflanze, Bakterien), werden sie als Ubichinone lat. ubi = überall bezeichnet. Die Organismen synthetisieren Ubichinon in allen lebenden Zellen. In der Natur kommen die Coenzyme Q bis CoQ10 vor, für den Menschen ist nur das CoQ10 relevant (10 Isopren-Seitenketten). Pflanzen und kleine Wirbeltiere verwenden das Coenzym Q9 für die Energiegewinnung. Das Vitaminoid ist fettlöslich.

Die Eigenschaften des CoQ10-Moleküls steuern in vielerlei Hinsicht seine Absorption und damit seine Bioverfügbarkeit für die Körperzellen. Ubichinon (oxidierte Form) hat ein Molekulargewicht von 864 Dalton, während Ubichinol (reduzierte Form) zwei weitere Wasserstoffmoleküle aufweist, mit dem Sauerstoff eine Hydroxyleinheit am Kopf des Moleküls bildet und somit ein Molekulargewicht von 866 Dalton aufweist. Beide Formen sind aufgrund der Dominanz des 10-fachen Isoprenschweifs hochgradig lipidlöslich.

Ubichinon ist hellgelb und Ubichinol milchig weiß. Ubichinon und Ubichinol bilden ein Redox-Paar. Beide Formen können in den Zellen, der Lymphe oder dem Blut leicht von einer Form in die andere umgewandelt werden, wenn die jeweiligen Eigenschaften gefordert sind. In der Zelle ist CoQ10 überwiegend außerhalb der Innenmembran der Mitochondrien in der Ubiquinolform (90–95 %) zu finden.

Resorption von exogenem Coenzym Q10

CoQ10 ein sehr großes Molekül. Es wird durch den Absorptionszellen im Dünndarm durch einen „einfachen passiv unterstützten Diffusionsprozess“ aufgenommen. Passiv bedeutet, dass der Prozess keine Energie benötigt. Unterstützt bedeutet, dass der Prozess ein Lipidmolekül erfordert, das als Träger für die CoQ10-Moleküle dient. Die passive Diffusion ist ein Downhill-Transport und erfordert eine höhere CoQ10-Konzentration in der Wasserphase im Vergleich zu derjenigen innerhalb der Zellmembran, die an die Seite der Absorptionszellmembran angrenzt. Je größer dieser Gradient ist, desto schneller und größer ist die Absorption.

CoQ10-Kristalle können nicht absorbiert werden. Kristalline Verbindungen (CoQ10-Konglomerate) müssen vor der Absorption in einzelne Moleküle aufgelöst werden. Die Darmabsorption erfolgt auf molekularer Ebene, d. h. es können nur einzelne Moleküle aufgenommen werden. CoQ10 in seiner kristallisierten Form hat eine schlechte Auflösung im Darmtrakt, da sein Schmelzpunkt 10 °C über der Körpertemperatur liegt. Ohne den Zusatz eines Lipidträgermoleküls zur Verbesserung der Absorption von CoQ10 werden selbst einzelne Moleküle schlecht aufgenommen.

Dies wird durch die schlechte Absorption von CoQ10-Pulver bewiesen, die beträgt weniger als 1 %. Idealerweise bilden homogenisierte CoQ10-Moleküle im Darm-Mizellen, die dann zu über 80 % resorbiert werden. Oft wird CoQ10 in Liposomen verpackt. Diese müssen jedoch vor der Resorption aufgeschlossen werden, was nur unter Energieaufwand und Resorptionsverlust möglich ist.

Coenzym Q10 ist ein starkes Antioxidans

Die antioxidative Funktion ist spezifisch für Ubichinon, da kein anderes Molekül Ubichinon in diesem Prozess ersetzen kann. Ubichinon und Ubichinol bilden jedoch als Redox-Paar den Kreislauf des CoQ10, indem sie sich dabei gegenseitig konservieren. Ubichinol ist ein Antioxidans im ganzen Körper. Dies gilt insbesondere für die Zellmembranen und den Zellorganellen. In diesen Membranen kann CoQ10 das primäre lipophile Molekül sein, das für die Prävention der Lipidperoxidation unerlässlich ist. Dadurch schützt CoQ10 vor Zellschäden, -mutation und Zelltod.

Außerhalb der Zell- und Organellenmembran und in Gegenwart anderer lipophiler und hydrophiler Antioxidantien kann Ubichinol andere Antioxidantien wie Vitamin E und C regenerieren und in deren Wirkungen unterstützen. Als Redoxpaar wechselt CoQ10 pro Sekunde seinen Oxidationsstatus gut 10.000 Mal. Daher ist es von der biochemischen Funktion unerheblich, ob ein reduziertes oder oxidiertes Supplement verwendet wird. Allerdings gilt, dass reduzierte Supplemente deutlich schlechter resorbiert werden, was die Bioverfügbarkeit reduziert.

Zusammenfassung

Statine gehören zu den am meisten eingesetzten Medikamenten in Deutschland. Aufgrund der gewollten Wirkung der Statine kommt es auch zu einer Blockade der Coenzym-Q10-Bildung. Der daraus resultierende Energieverlust gefährdet energiehungrige Organe wie Herz und Leber. Daher sollten alle Patientinnen und Patienten die Statine verordnet bekommen auch regelmäßig 100 mg Coenzym Q10 substituieren.

(Nathalie Schmidt & Dr. med. Edmund Schmidt, Ottobrunn)

Abb. 2: Ubiquinon und Ubiquinol bilden ein Redox-Paar