Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP)
Tezepelumab (Tezspire®) hat in der Europäischen Union die Zulassung als Add-on-Therapie mit intranasalen Corticosteroiden zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (CRSwNP) erhalten, die mit systemischen Corticosteroiden und/oder einem chirurgischen Eingriff nicht ausreichend kontrolliert werden kann.
Die Zulassung basiert auf Ergebnissen der Phase-III-Studie WAYPOINT und ist bereits die zweite Indikation für den Anti-TSLP-Antikörper nach der im September 2022 erteilten Zulassung für das schwere, unkontrollierte Asthma.
Tezepelumab ist ein Biologikum, das früher in die Entzündungskaskade eingreift als die bisher in dieser Indikation zugelassenen Biologika, denn es blockiert das Alarmin TSLP (Thymus-Stroma-Lymphopoietin): „Alarmine wie TSLP, die im Epithel entstehen, geben den Startschuss für die Entzündungskaskade. Man kann sich das so vorstellen, dass durch diese Eintrittspforte alle nachfolgenden Botenstoffe und Entzündungszellen aktiviert werden, was wiederum die Alarmbereitschaft des Epithels und den inflammatorischen Schaden erhöht“, erklärte Prof. Dr. Oliver Pfaar, Leiter der Sektion Rhinologie und Allergologie, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Universitätsklinikum Marburg, und Studienarzt der WAYPOINT-Studie.
Bereits diesen ersten Schritt blockiert Tezepelumab – ohne zusätzliche Nebenwirkungen zu verursachen, denn das Auftreten von unerwünschten Ereignissen lag sowohl in der Asthma- als auch in der Nasenpolypen-Zulassungsstudie auf Placebo-Niveau.
In der WAYPOINT-Studie erhielten 408 Patientinnen und Patienten mit schwerer, unkontrollierter CRSwNP 52 Wochen lang alle 4 Wochen den subkutan zu injizierenden Anti-TSLP-Antikörper Tezepelumab 210 mg oder Placebo. Einschlusskriterien für das Studienkollektiv waren unter anderem eine eingeschränkte Lebensqualität mit einem SNOT-22-Score von mindestens 30 sowie einem Nasenpolypen-Score von 5 oder mehr.
Signifikante Verbesserungen in allen Endpunkten
Nach einem Jahr Tezepelumab zeigte sich ein signifikant reduzierter NPS um –2,08 Punkte gegenüber Placebo. Eine Verbesserung sah man bereits bei der ersten Messung nach 4 Wochen. Zudem senkte Tezepelumab signifikant den Nasal-Congestion-Score gegenüber Placebo ab der ersten Messung nach 2 Wochen bis zur 52. Woche.
Verbesserungen der Lebensqualität und der Krankheitskontrolle
Weiterhin reduzierte Tezepelumab den SNOT-22-Gesamtscore signifikant gegenüber Placebo. Insgesamt kam es in Woche 52 zu einer Reduktion um 45 Punkte zur Baseline, die sich bereits nach 4 Wochen zeigte. Außerdem steigerte der TSLP-Antikörper das Riechvermögen schon ab der 2. bis zur 52. Woche.
„Die WAYPOINT-Ergebnisse sind klinisch relevant und lassen darauf schließen, dass Tezepelumab die Krankheitslast bei schwerer, unkontrollierter chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen deutlich verringern kann“, so Pfaar.
Zudem musste sich nur ein Patient erneut einer Nasenpolypen-Operation unterziehen, während es 42 Studienteilnehmende in der Placebogruppe waren. „Es kam also unter Tezepelumab zu einer 98-prozentigen Verringerung des Bedarfs für eine NP-Operation. Es handelt sich um vielversprechende Studienergebnisse“, kommentierte Pfaar.