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Nicht nur für Intensivpatienten sondern auch für den Patienten auf Normalstation stellt die Stuhl-
inkontinenz einen Risikofaktor z. B. für Hautschäden, Wundinfektionen oder Kontaminationen mit Keimen dar und verlängert den Krankenhausaufenthalt. Der frühzeitige, temporäre Einsatz von kontinuierlichen Stuhldrainagesystemen vermag hier zu helfen, die Versorgungssituation zu verbessern und den zusätzlichen Pflegeaufwand in Grenzen zu halten.

Stuhlinkontinenz erhöht das Risiko der Kontamination mit infektiösen Pathogenen wie z. B. Clostridium difficile oder multiresistenten gramnegativen Erregern (MRGN).1 Zudem weisen hospitalisierte Erwachsene mit Stuhlinkontinenz ein 22-fach höheres Risiko auf, ein Dekubitus aufgrund von Hautschädigungen zu entwickeln.2

In der Intensivpflege werden daher kontinuierliche Stuhldrainagesys teme bei Defäkationsproblemen seit langem erfolgreich eingesetzt. Aber auch auf Normalstationen können moderne, geschlossene Stuhldrainagesysteme unter anderem vor dem Hintergrund einer zunehmenden Zahl von inkontinenten, dementen Patienten zur Minimierung von Komplikationen, die durch flüssige und halbflüssige Fäzes verursacht werden, beitragen. Beispielsweise kann der Einsatz des Flexi-SealTM Signal (Fa. ConvaTec, München) nachweislich Komplikationen und Kosten im Krankenhaus verringern.2

Herkömmliche Hilfsmittel

Herkömmliche Hilfsmittel für die Inkontinenzversorgung wie Inkontinenzhosen, -einlagen, Windeln oder Bettschutzeinlagen bieten bei Stuhlinkontinenz keinen Schutz vor Staunässe und Verunreinigungen bzw. Kontaminationen. Sie müssen sehr häufig gewechselt werden und belasten durch die erforderliche Reinigung und Intimpflege das Pflegepersonal mit hohem Zeitaufwand.

Fäkalkollektoren

Fäkalkollektoren können sowohl in der ambulanten als auch stationären Pflege bei Patienten, die an Stuhlinkontinenz leiden und flüssigen oder halbflüssigen Stuhl ausscheiden, als kurzfristige Alternative zur Windelversorgung oder als Alternative, falls ein Stuhlmanagementsystem kontraindiziert ist, eingesetzt werden.

Moderne Kollektoren wie z.B. der latexfreie Flexi-SealTM Fäkal kol lek tor haben ein Sammelvolumen bis zu einem Liter und können bis zu 48 Stunden am Patienten verbleiben. Der Flexi-SealTM besitzt eine Hilfsmittelnummer und besteht aus einer zuschneidbaren, hautfreundlichen Hydrokolloid-Hautschutzplatte mit mikroporösem Haftrand und einem nach unten spitz zulaufenden Beutel mit Ablasshahn. Der integrierte Aktivkohlefilter vermindert das Aufblähen des Beutels und die Geruchsentwicklung.

Stuhldrainagesysteme

Eine weitere Option zur zuverlässigen, kontinuierlichen Ableitung von flüssigen bis halbflüssigen Stühlen aus dem Enddarm sind vorgefertigte, kombinierte Katheter-Auffangbeutelsysteme – sog. Stuhl drainagesysteme. Hierbei besteht der Darmverweilkatheter aus hautfreundlichen Materialien und ist mit den angeschlossenen Ableitungsmaterialien und speziellen Sammelbeuteln für einen längeren Verbleib im Enddarmbereich konzipiert (Abb. 1).3 Innerhalb dieser Verweilzeit können bei den Systemen die Auffangbeutel gewechselt werden, ohne dass der Katheter in seiner Position verändert werden muss.

Der fachgerechte Einsatz von Stuhldrainagesystemen bei immobilen oder bettlägerigen Patienten setzt eine sorgfältige Indikationsstellung im multiprofessionellen Team voraus und bedarf einer ärztlichen Anordnung.3

Stuhldrainagesysteme: Indikationen und Kontraindikationen Der indikationsgerechte Einsatz eines Stuhldrainagesystems ermöglicht die zuverlässige, sichere und kontinuierliche Stuhldrainage, wenn nach Vorgaben des Herstellers verfahren und entsprechende pflegende Expertise eingebracht wird.4 Die Einsatzgebiete für die kontinuierliche Stuhlableitung lassen sich in vier Gruppen einteilen:5

  • Wund- und Infektionsvermeidung (z. B. bei bestehenden Wunden, Dermatitis, Pilzinfektionen, nach operativen Eingriffen im Urogenitalbereich, bei Kanülierung der Leistengefäße)
  • Vermeidung der Feuchtigkeitsexposition der Haut (z. B. bei persis tenten Diarrhöen, wässrigen Stühlen)
  • Vermeidung von Umgebungs- und Kreuzkontaminationen durch Stuhlausscheidungen (alle Formen der Hepatitis, Infektionen mit Bakterien und/oder Viren)
  • Unvermögen einer regelmäßigen Umpositionierung des Patienten bzw. komplizierter Bettlägerigkeit (z.B. bei Polytrauma, SchädelHirn-Trauma, Bauchlagerung, Lagerungseinschränkung).

Kontraindikationen für den Einsatz bestehen außer bei pädiatrischen Patienten, fehlender Toleranz oder lokalen Verletzungen unter anderem bei geformtem Stuhl, Obstipation, Enddarmtumoren und M. Crohn sowie gemäß den Hinweisen des Herstellers nach operativen Eingriffen am Enddarm innerhalb des letzten Jahres.

Neues Stuhldrainagesystem

Flexi-SealTM Das neue, latexfreie Stuhldrainagesystem Flexi-SealTM Protect (Abb. 1) ist eine Weiterentwicklung des am häufigsten verwendeten Systems Signal, dass bereits über einen Signalindikator für die Absicherung einer adäquaten, patientenindividuellen Füllung des Retentionsballons verfügt. Beide Systeme sind für einen temporären Einsatz bis zu 29 Tagen bei immobilen Patienten zur Ableitung von flüssigem bis halbflüssigem Stuhl und zur rektalen Verabreichung von Medikamenten nach ärztlicher Anordnung entwickelt. Die Anwendung von Flexi-SealTM Signal/Protect kann mit dem Code 8-128 gemäß OPS codiert werden.

Abb. 1: Kontinuierliche Stuhldrainagesysteme (hier: Flexi-Seal™ Protect) bestehen aus einem hautfreundlichen Darmverweilkatheter und angeschlossenen Ableitungsmaterialien mit speziellen Sammelbeuteln.

Farbindikator Grün/Rot für höchste Patientensicherheit

Oftmals wird in der Pflegepraxis bei der Anlage eines Stuhldrainage systems der Retentionsballon bei allen Patienten „blind“ mit 45ml Flüssigkeit befüllt. Doch nach einer Anwendungsstudie benötigen Patienten unterschiedliche Füllmengen des Retentionsballons, um eine adäquate, sichere Anlage des Darmverweilkatheters zu gewährleisten: 25% der Patienten bedürfen lediglich ein Füllvolumen von 32–35ml, 50% der Patienten 36–39ml und 25% 40–45ml.6 Der Retentionsballon sollte am besten lediglich mit der patienten indi viduellen Menge befüllt werden. Nur die Stuhlmanagementsysteme Flexi-SealTM Signal und Protect von ConvaTec visualieren mit einem Indikator dem Anwender, wann die individuelle Füllmenge erreicht ist. Wird der Retentionsballon mit zu viel Flüssigkeit befüllt, kann er am konischen Ende des Rektums nach innen verrutschen und Leckagen verursachen. Darüber hinaus erhöht sich mit zunehmenden Druck auf die Darmschleimhaut das Risiko für Nekrosen.

Flexi-SealTM Protect ist als einziges Stuhldrainagesystem am Markt mit dem innovativen Grün/Rot Farbindikator ausgestattet, der zugleich als Überblockungsschutz arbeitet. Dabei zeigt der grüne Farbindikator an, wann das individuell optimale Füllungsvolumen des Retentionsballons erreicht ist und der Füllvorgang gestoppt werden sollte (Abb. 2a).

  • Anwenderfreundlicher Überblockungsschutz
    Falls das patientenindividuelle Füllmengenlimit überschritten wird, springt der rote Indikator hoch (Abb. 2b). Er signalisiert damit, dass Flüssigkeit aus dem Retentionsballon entfernt werden sollte. Das ist unter anderem essenziell bei der Frühmobilisation eines Intensivpatienten, erhöht die Patientensicherheit und minimiert das Risiko für Leckagen und Nekrosenbildung.
  • Retentionsballon mit Fingertasche
    Der weiche Retentionsballon ist mit einer blauen Fingertasche ausgestattet, die eine einfache Einführung und sichere Lokalisation im Rektum ermöglicht. Mit seinem hautfreundlichen, anschmiegsamen Material passt sich der Ballon an den Schließmuskeltonus und an die Anatomie des Rektums an.
  • Probeentnahmeport
    Der integrierte Probeentnahmeport erlaubt – blau in Abb. 1 – die Möglichkeit hygienisch und einfach Stuhlproben zu entnehmen und reduziert das Risiko von Kontaminationen.
  • Infektionsschutz
    Nur für die Stuhldrainagesysteme von ConvaTec nachgewiesen: Vom bakteriostatisch ausgestatteten Katheterschlauch bis zum Beutel wird die Sporenbildung und Überdauerung von C. difficile gehemmt und somit dessen Verbreitung in die Umgebung verhindert.7, 8 Damit erfüllen die Flexi-SealTM Produkte die höchsten medizinischen Ansprüche und Hygienerichtlinien.
  • In Auffangbeutel integrierter APS-Filter Privacy™
    Aufgrund des integrierten APS-Filters weist der Auffangbeutel im Vergleich zu Beuteln mit Aktivkohlefiltern eine 6-fach höhere Geruchsbindung auf.9 Der APS-Filter ermöglicht überdies das Entweichen von überschüssigen Gasen und reduziert die benötigten Beutelwechsel. Das verringert die potenzielle Ausbreitung mit C. difficile Sporen und trägt nachweislich zur Verhinderung von Kreuzinfektion bei.7, 8, 10Als angenehmer Nebeneffekt kann die Kombination aus dem geruchsabsorbierenden Katheterschlauch und APS-Filter unangenehme Geruchsbelästigungen minimieren.11

Abb. 2a: Das farbige Indikatorsystem des Flexi-Seal™ Protect zeigt das optimale Füllvolumen und schützt vor einer Überblockung: a) Sobald die anatomisch passende Füllmenge erreicht wird (bis max. 45 ml), springt der grüne Indikator hoch und bleibt oben

Abb. 2b) Falls das optimale Füllvolumen überschritten wird, springt der rote Indikator ebenfalls hoch und signalisiert, dass Flüssigkeit aus dem Retentionsballon entfernt werden muss.

Zudem ist der Auffangbeutel undurchsichtig. So bleibt der Inhalt vor Besuchern verborgen. Ein Sichtfenster erlaubt dennoch dem medizinischen Personal die Ausscheidung, Farbe und Konsistenz des Stuhls zu kontrollieren.

Fazit

Die Anwendung von Stuhldrainagesystemen sorgt bei bettlägerigen oder immobilen, inkontinenten Patienten für die Vermeidung von Komplikationen, die durch flüssige und halbflüssige Stühle verursacht werden und trägt zur Infektionskontrolle bei. Als einziges Stuhldrainagesystem mit einem speziellen Farbindikator (Abb. 2) ermöglicht Flexi-SealTM Protect selbst bei Frühmobilisation die Adaption an die patientenindividuell optimale Füllmenge des Katheter-Retentionsballons. Dies kann Leckagen und auch das Risiko für Nekrosen sowie Hautschäden bis hin zu Dekubitus minimieren. Entsprechend können die Pflegezeit sowie die Dauer und die Kosten des Krankenhausaufenthalts eingegrenzt werden.

(mk)

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1 Bardsley A, Binks R, Kiernan M et al. Continence UK 2007; 1: 4
2 Langill M, Yan S, Kommala D et al. Ostomy Wound Management 2012; 58(12): 25–33
3 Müller-Wolf T, Hermes C, Rothaug O et al. Intensiv-News 2013; 17(2): 23–25
4 Kowal-Vem A, Poulakidas S, Barnett B et al. Am J Crit Care 2009; 18(3 Suppl): S2–14: quiz S15
5 Rothaug O, Müller-Wolff T, Kaltwasser A et al. Intensiv 2013; 21(05): 245-51
6 Milne CT, Durnal A, Webb M: Retention balloon fill volume was measured in 17 patients using Flexi-SealTMSignal FMS. Results were published as a poster: Optimizing Fecal Containment Using Individualized Balloon Volumes – presented at 2010 Symposium on Advanced Wound Care.
7 Jones S, Towers V, Welsby S, et al. Ostomy Wound Management 2011; 57(10): 38–49
8 Minimizing the spread of C. difficile spores from the release of gas. February 19, 2013. Data on file, ConvaTec Inc.
9 Beurteilung des Filters des „Flexi-Seal™ Privacy“-Beutels. 121412-001. Daten liegen ConvaTec Inc vor.
10 Roberts K, Smith CF, Snelling AM et al. Infect Dis. 2008; 8: 7
11 Odor Barrier Testing. 130124-001. Data on file, ConvaTec Inc.

In Kooperation mit der ConvaTec (Germany) GmbH